Freitag, 8. Oktober 2010

Milchmädchenblogger

Ich verfolgte das Skypegespräch von Anna Frost und Karthynsky über Milchmädchenblogger und klickte mich im Anschluß fleißig zu diesem Thema durchs www.
Es geht um Blogger, die sich unter Wert verkaufen und Werbung fast für lau machen. Ein wichtiges Thema. Ich nehme es mir zu Herzen! Firmen finden nicht uns, unseren Blog und unsere Texte toll, sondern den Traffic, die Googleverlinkungen, die Verlinkungen an sich, die Klicks und die Zahlen. Daran müssen wir denken. Was sind wir bzw. unser Blog wert? Eine Flasche Champus, ein Shirt, ein Kleid, eine Tasche oder einen Einkaufsgutschein? Ich weiß es nicht genau.

Einen sehr treffenden Artikel über dieses heikle Thema hat Lisa Thiele verfasst:

Süß und unschuldig schaut das Milchmädchen von der Verpackung der Kondensmilch. Süß schmeckt die klebrige Soße aus der Tube. Eher herb und bitter ist die Bilanz, die man zu den sogenannten Milchmädchenbloggern/Innen zieht.

Mary Scherpe hat auf dem FashionCamp in Wien einen kritischen Beitrag geliefert und ein hervorragendes Beispiel für neue Inhalte in der Modeblogosphäre losgetreten. Ein zehnminütiger bebilderter Beitrag von Mary führt dem Zuhörer das Klischee des Milchmädchens vor Augen. Süß und unschuldig schaut die Milchmädchenbloggerin vom Bildschirm - aber es geht dieses mal nicht um zuckersüße Kondensmilch.
Mary Scherpe erklärt die Spezies Milchmädchenblogger (im Hintergrund) und wieso das nicht geht. (Screenshot)

Es geht um Alkohol, auch mal ein Kleid, um ein Glitzerhandy, um langweilige T-Shirts - um Produkte. Um genau zu sein geht es um Werbung!

Aufhänger der Diskussion ist die Aktion einer bekannten Champagnermarke. Die Marke stellte einen neuen Celebrityblog in’s Internet. Sowas geschieht täglich, interessiert niemanden und bedarf daher einiger Unterstützung. Autorin des Corporate-Blogs ist Julia Knolle die ehemalige Bloggerin des bekannten deutschen Modeblogs Lesmads. Schnell ist eine Flasche Champagner an andere Bloggerinnen verschickt, mit der Bitte einen Link zum neuen Blog zu setzen. Die Flasche à 30 Euro würde normalerweise nie in den Einkaufskörben des durchschnittlichen Milchmädchenbloggers landen. Selbstverständlich freuen sich die “auserwählten”
Milchmädchenblogger über das Zuteilwerden solcher Luxusgüter. Jetzt gehört man dazu! Über die Bildschirme der Blogleser flimmern in den kommenden Wochen unendliche verspielte Varianten zur Champagnerflasche. Ganz klar gibt es da Werbung zu sehen. Mary Scherpe bringt die Fakten auf den Tisch: die Milchmädchenblogger haben dafür keinen Cent gesehen!

Diese Milchmädchenrechnung bringt unterm Strich für die Firma eine Menge sehr relevanten Traffic und das umsonst. Für die Milchmädchenblogger kein Geld und genausowenig Inhalte - nur einen schweren Kopf. Die Firma hat die gängigen Regularien und Formalitäten, zielgruppenspezifische Werbung zu schalten, geschickt umgangen und billigste Werbung mit hoher Relevanz für lau.
Auf Dandy Diary wird vor Pariser Kulisse knallhart bebildert, wie die Blogger in den Arsch gefickt werden. (by Christoph Turk)
Text via










Ja, ich habe die gesamte Diskussion verfolgt. ;-) Lang, aber überaus interessant!

Weitere gute Beiträge:

Rene Schaller (Zusammenfassung des langen Videos)
Sexdrugsblocknroll
Styleranking
http://www.wikio.de

Kommentare:

  1. wirklich sehr interessant, ich frag mich nur ab welchem zeitpunkt es zur "prostitution" wird, zB ist es nett wenn man sachen von menschen bekommt, gratis, natürlich, aber blog für blog werbung find ich okay, aber sonst.. die frage ist halt.. wo ist die grenze.. zB hat bei deinem haburigewinnspiel eine breite masse mitgemacht und für haburi geworben aber die aussichten auf 150e gutschein..? die lassen einen da nicht mehr groß nachdenken und es ist mit einem minieintrag getan

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  2. Naja, auch positive Reviews sind irgendwie "Werbung"...prinzipiell isses sicher öfter so, als man das wahrnimmt, wie oft habe ich schon Produkte als "to buy" aufgeschrieben, weil jemand ne begeisterte Review abgegeben hat! Man muss selbst entscheiden, wie sehr man da einsteigt. Ich hab mich z.B. bei trnd abgemeldet und mache keine "komerziellen" Produkttests mit, weil ich da als Werbeobjekt benützt werde und das will ich nicht...

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  3. Es geht nicht um Blogs, die Werbung für Blogs machen und/oder unabhängige Produkttests veröffentlichen, sondern von Firmen, die über Blogs Werbung machen, ohne dass das einigen Bloggern bewußt ist. Oder, wenn es ihnen bewußt es, zahlen sie für diese Werbung zu wenig, weil die Blogger nicht wissen, was diese Werbung wert sein könnte. Ein gutes Beispiel ist eben die Champagnerflasche im Wert von 30,- Euro als Bezahlung für Bilder, auf denen diese Flasche immer wieder auftaucht. Das ist als Endgeld etwas lau, oder? ;-)

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  4. Danke Danke Danke für die Lesetipps! Werde ich gleich bei mir verlinken.

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  5. Danke für diesen Post! Habe schon ein paar Anfragen von Firmen bekommen, ob ich nicht Werbung machen könnte.. ich würde auch einen Gutschein dafür bekomme.. Sowas ist nix für mich. Hab doch keinen Werbeblog ;)

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